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01Wissenschaft

Kirschen und Wasser: Ein Mythos wird widerlegt

Die jahrzehntelange Vorstellung, dass Kirschen und Wasser gefährlich zusammen sind, wurde nun durch wissenschaftliche Erkenntnisse entkräftet. Ein Blick auf die Hintergründe.

Maximilian Weber13. Juni 20263 Min. Lesezeit

Es gibt Momente im Leben, die so alltäglich erscheinen, dass sie sich ins Gedächtnis einbrennen, ohne dass man dem besonderen Wert beimisst. Da sitze ich also im Garten, die Sonne blinzelt ungeniert zwischen den Blättern hindurch und ich genieße ein paar saftige Kirschen, während ich einen Schluck Wasser aus meiner Glaskaraffe nehme. Und genau in diesem Moment schoss mir ein Gedanke durch den Kopf, der in der Vergangenheit sogar Anlass zu hitzigen Diskussionen gegeben hatte: Ist es tatsächlich gefährlich, Kirschen mit Wasser zu konsumieren?

Die Vorstellung, dass Kirschen und Wasser in Kombination gesundheitliche Probleme verursachen könnten, ist seit Jahrzehnten verbreitet. Uralt sind die Erzählungen von bauchschmerzgeplagten Menschen, die auf den unglücklichen Zufall hinweisen, dass sie Kirschen gegessen und anschließend Wasser getrunken hatten. Irgendwo zwischen der Unbeständigkeit der menschlichen Verdauung und dem Streben nach Erklärungen für das Unbekannte wurde diese Überzeugung zu einem Mythos. Und trotz der Absurdität dieser Vorstellung fand sie immer wieder den Weg in die Köpfe der Menschen.

Die Wissenschaft hat sich dieser Behauptung nun endlich angenommen und sie gründlich untersucht. Forscher haben neue Studien veröffentlicht, die belegen, dass es keinerlei Beweise dafür gibt, dass Kirschen und Wasser eine schädliche Reaktion hervorrufen. Vielmehr zeigen die Ergebnisse, dass weder die Frucht noch das Wasser in irgendeiner Form eine negative Wirkung aufeinander haben. Diese Erkenntnisse wären an sich schon eine kleine Sensation, wäre da nicht das drängende Bedürfnis des Menschen, Mythen auf den Grund zu gehen und vielleicht auch abzubauen.

Man fragt sich, wie ein solch offensichtlicher Schwachsinn so lange bestehen konnte. Es ist die Art und Weise, wie wir Geschichten erzählen und wie sie sich verbreiten. Oft sind es nicht die Fakten, die entscheiden, sondern das Gefühl, das sich mit den Geschichten verbindet. Im Fall der Kirschen und dem Wasser ist es der Aberglaube, der über Generationen weitergegeben wurde, als eine Art warnende Fabel. Vielleicht hatten unsere Vorfahren ja recht, als sie beim Verzehr dieser beiden Nahrungsmittel mehr auf ihr Bauchgefühl hörten als auf die Medizin.

Aber nun, da die Wissenschaft die Wahrheit ans Licht gebracht hat, stellt sich die Frage: Was tun wir mit diesem Wissen? Kann man all die alten Überzeugungen einfach aussortieren wie überflüssige Möbelstücke im Keller? Oder leben sie in den Köpfen der Menschen weiter, fest verankert durch alte Muster des Denkens? Es ist zum Schmunzeln, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Oft gewöhnen wir uns an das Falsche, obwohl die Beweise für das Gegenteil direkt vor unseren Augen liegen.

Mit dieser neuen Erkenntnis könnten wir uns schrittweise von den Fesseln unbegründeter Ängste befreien. Wir könnten bedenkenlos Kirschen essen und gleichzeitig den erfrischenden Schluck Wasser genießen. Ein fast revolutionärer Gedanke, wenn man bedenkt, dass so viele Menschen bis dato einem Mythos gefolgt sind, der rein gar nichts mit der Realität zu tun hatte. Man kann sich gut vorstellen, dass zukünftige Generationen über diese Absurdität lachen werden, während sie in sommerlicher Hitze mit einer Schüssel Kirschen und einem Glas Wasser in der Hand sitzend das Leben genießen.

Letztlich ist der Mythos von Kirschen und Wasser weniger ein Gesundheitsrisiko als vielmehr ein Spiegelbild unserer menschlichen Neigung, Geschichten zu glauben, die uns nicht nur unterhalten, sondern auch in gewisser Weise beschützen. Er zeigt, wie tief verwurzelt Ängste in unserer Kultur sind. Wenn wir jedoch bereit sind, uns von diesen alten Überzeugungen zu lösen, bietet die Wissenschaft die Möglichkeit, unser Verständnis von Genuss und Genussmitteln grundlegend zu verändern - und das ganz ohne Bauchschmerzen.

In einer Welt, in der die Verbreitung von Informationen so rasant ist, gibt es Hoffnung, dass sich auch diese alten Mythen in Luft auflösen. Die Kirschen werden weiter blühen, das Wasser wird klar bleiben und wir können uns endlich unbeschwert dem Genuss hingeben, ohne den alten Geistern unserer Vorfahren zu verfallen. Denn letztendlich sind es nicht die Kirschen oder das Wasser, die uns in einen Mythos verstricken. Es sind die Geschichten, die wir über sie erzählen. Und vielleicht ist das die größte Erkenntnis von allen.

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