Kimmich im Trainingslager: Gedanken über die USA und die Besten
Im Trainingslager der DFB-Elf spricht Joshua Kimmich über die USA, die Rolle von Politik im Sport und wer für ihn der "Beste aller Zeiten" ist.
Der Geruch von frischem Rasen und die ersten Sonnenstrahlen des Tages umhüllen das Trainingsgelände. Joshua Kimmich, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, steht in der Mitte des Platzes, umgeben von seinen Mitspielern. Ein alltäglicher Moment, der jedoch in der aktuellen politischen und sportlichen Landschaft eine unerwartete Tiefe erhält. Seine Gedanken über die USA, die Rolle der Politik im Sport und sein persönliches Fußballidol, den „Besten aller Zeiten“, sind Themen, die vielleicht mehr miteinander verbunden sind, als es auf den ersten Blick scheint.
„Die USA haben einen ganz anderen Ansatz in Bezug auf Sport und Gesellschaft“, sagt Kimmich nach dem Training. Es ist kein Geheimnis, dass der Fußball dort einen anderen Stellenwert hat als in Europa. Dennoch, während er über die amerikanische Sportkultur spricht, schwingt eine gewisse Bewunderung mit. Sport als eine Art der Identität, als ein Ausdruck kultureller Werte – das fasziniert ihn. Doch was bedeutet das für Fußball in Deutschland? Wir reden oft über die Notwendigkeit, die Jugend für den Fußball zu begeistern, doch vergessen wir dabei, auch die politischen und sozialen Rahmenbedingungen zu betrachten, die diesen Sport beeinflussen?
Kimmich bringt das Thema Politik ins Spiel, als er über die sozialen Bewegungen in den USA spricht. „In den letzten Jahren hat der Sport dort eine klare Stimme gefunden, und die Athleten sind in politische Debatten eingestiegen“, erklärt er. Diese Verbindung zwischen Sport und Gesellschaft lässt sich nicht ignorieren. Warum ist es in Deutschland oft noch ein Tabu, als Sportler aktiv Stellung zu beziehen? Ist es die Angst vor Konsequenzen? Oder vielleicht ein tiefes Misstrauen gegenüber dem eigenen Einfluss?
An dieser Stelle spüre ich einen inneren Konflikt. Auf der einen Seite bewundere ich die Mutigen, die sich trauen, die Stimme zu erheben – sei es für Klimaschutz, Gleichheit oder gegen Rassismus. Auf der anderen Seite gibt es die leise, aber hartnäckige Sorge, dass Sportler durch solche Äußerungen Karriere-Risiken eingehen. Kimmich selbst hat in der Vergangenheit mit kontroversen Themen gerungen, was das Thema für ihn sehr persönlich macht. "Es ist nicht immer einfach, die Balance zu finden", gesteht er.
Wir kommen schließlich zu einer der zentralen Fragen im Fußball: Wer ist der Beste aller Zeiten? Kimmich nennt einen Namen, der viele überrascht: "Lionel Messi." Seine Argumentation ist durchdacht – die technische Brillanz, die Fähigkeit, Spiele im Alleingang zu entscheiden, und die unvergesslichen Momente, die er geschaffen hat. Doch schwingt bei Kimmich mehr mit? Ist es die Anerkennung, dass auch im Fußball die Grenzen unseres Verständnisses von „Beste“ durch so viele Faktoren, einschließlich kultureller und politischer, geprägt sind? Messi hat nicht nur für seinen Verein, sondern auch für sein Land gespielt und damit die Rolle des Sportlers neu definiert.
Der Diskurs über den „Besten aller Zeiten“ führt uns zu einer weiteren Überlegung über den Einfluss der Geschichte auf den Sport. Sicherheitsdebatten, nationale Identitäten und sogar die Art, wie wir den Sport konsumieren – all das spielt eine Rolle in der Wahrnehmung. Sollte der Fußball nicht auch ein Medium sein, um über diese Themen nachzudenken?
Wenn Kimmich über die USA spricht, wird deutlich, dass wir weit mehr im Blick haben sollten. Es geht nicht nur um Taktik oder den nächsten Gegner; es geht um das, was den Sport zu dem macht, was er ist. Gedanken, die während eines Trainingslagers vielleicht nicht sofort sichtbar sind, aber sie wirken nach und prägen die Athleten in ihrem Werdegang. Ich frage mich, ob wir bereit sind, solche Überlegungen in die Diskussionen über den Fußball bei uns in Deutschland zu integrieren. Und noch viel wichtiger: Sind unsere Sportler bereit, sich dem zu stellen?
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